NBA-Meister Tony Parker: „Träume so groß, dass man dich für verrückt hält“

Seine Träume zu verwirklichen ist nicht immer leicht. Es sei denn, man ist Tony Parker, der berühmteste und gefeiertste Basketballspieler Frankreichs. Er ist in allem was er sich vornimmt erfolgreich. Er wollte ein NBA-Spieler werden. Er hat es geschafft. Mehr als das: Er war lange der beste Spielmacher der Liga. Das Gleiche gilt für sein Leben nach seiner Profikarriere: Der vierfache NBA-Meister Tony Parker ist unser Gast in The Global Conversation.

Vier NBA-Titel mit den San Antonio Spurs, eine Auszeichnung als MVP (Most Valuable Player/wertvollster Spieler) im Finale 2007 und ein unvergesslicher Auftritt bei Frankreichs EM-Triumph 2013 – Tony Parker hatte immer den Ehrgeiz zu gewinnen – eine Ausnahme machte er für ein paar Körbe mit der euronews-Journalistin und ehemaligen italienischen Basketball-Nationalspielerin Stefania De Michele. Ein kleines Zugeständnis, bevor er ihr mehr über seine illustre Karriere und seine Pläne für die Zukunft sprach.

„Selbst in meinen kühnsten Träumen als Kind hätte ich mir eine solche Karriere nicht vorstellen können, die damit endete, dass meine Rückennummer ehrenhalber nicht mehr vergeben wird“, erzählt Tony Parker. „Ich hätte nie gedacht, dass jemand wie ich, der in der Normandie in einer kleinen Stadt aufwuchs, so weit kommt. Es ist schön, das endlich zu begreifen. Denn seit meinem Rücktritt wird mir langsam aber sicher alles bewusst, was ich mit den Spurs erreicht habe. Mit dem Buch und dann dem Film auf Netflix bin ich gerade etwas wehmütig. Aber es ist schön, die 20 Jahre meiner Karriere in einem Film zu sehen.“

20 Jahre einer erfolgreichen Karriere

Seit dem 11. November 2019 wird Parkers Rückennummer 9 von den Spurs nicht mehr vergeben. Eine Ehre, die Spielern vorbehalten ist, die sich um das Team und Trikot verdient gemacht haben. Parker spielte 17 Saisons lang für die Spurs und gewann 4 Titel. Er war 6 Mal NBA All Star und 2007 der wertvollste Spieler der Finalserie (MVP). Es war das erste Mal, das ein europäischer Spieler mit dieser Ehrung ausgezeichnet wurde. Seine letzte Saison (2018-19) spielte er bei den Charlotte Hornets. Eigner der Mannschaft ist Michael Jordan. Jordan sei immer sein Idol gewesen, erzählt Parker, er habe versucht, wie er zu werden, ein Champion.

Als Spieler der französischen Nationalmannschaft wurde Parker bei der Basketball-Europameisterschaft 2013 zum MVP gewählt, nachdem sein Team im Finale gegen Litauen gewonnen hatte. Er beendete das Turnier als bester Korbschütze mit einem Durchschnitt von 19 Punkten pro Spiel. 2015 erzielte er bei der EM seinen 1032. Punkt und wurde damit EM-Rekordkorbschütze.

Euronews-Reporterin Stefania De Michele:

_Der Wendepunkt Ihrer Karriere kam 2001, als Sie 19 Jahre alt waren: Sie hatten das Glück, in eine der besten Mannschaften der NBA aufgenommen zu werden. Für die San Antonio Spurs zu spielen, gab Ihnen die Möglichkeit, sich zu entfalten. Aber dafür mussten Sie hart kämpfen. _

In San Antonio spielte Parker für Coach Gregg Popovich, den Trainer mit den meisten Siegen in der NBA-Geschichte. Als Teamkollegen hatte er herausragende Spieler wie Tim Duncan und Manu Ginóbili, die zusammen mit Parker das Team zum Erfolg führten.

Tony Parker:

Es war ein Glückstreffer in dieser Franchise zu spielen. Ja, ich habe sehr hart trainiert, aber gleichzeitig war ich in einer Franchise, in der man wirklich gewinnen wollte. Und die Werte dieser Mannschaft haben mich zu einem besseren Menschen, zu einem besseren Basketballspieler gemacht – und wirklich zu einem besseren Menschen. Man muss hart trainieren, es braucht Disziplin und Opfer. Ich war sehr entschlossen, es in die NBA zu schaffen. Damals gab es keine europäischen Spielmacher. Es gab überhaupt nicht viele Europäer in der NBA. Ich fühlte einen gewaltigen Druck für die neue Generation. Ich wollte auf jeden Fall gut spielen und mir den Respekt der US-amerikanischen Spieler und Trainer verdienen. Am Anfang war es sehr schwer, aber es hat mich mental sehr stark gemacht, ihnen zu zeigen, dass wir Europäer Basketball spielen können.

Euronews:

Sie haben alles erreicht, was Sie erreichen wollten: Sie könnten sich auf dem Olymp der größten Champions ausruhen. Aber im Gegenteil: Mit Ihrer Akademie in Frankreich (Tony Parker Adéquat Academy) kümmern Sie sich um junge Menschen. Was hat es damit auf sich? Und was bedeutet das für Sie?

Tony Parker:

Für mich ist es sehr wichtig, etwas zurückzugeben. Wie ich bereits sagte, fühle ich mich sehr vom Leben beschenkt, ich hatte großartige Trainer. Aber so wie ich aufgewachsen bin, vergesse ich nicht, woher ich komme. Alles hat damit angefangen, dass ich den Erstligaverein ASVEL in Lyon gekauft habe. Dann habe ich ein Frauenteam übernommen, denn ich wollte ein einzigartiges Projekt aufziehen. Ich wollte einen Verein aufbauen, in dem Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Und es endete mit der Akademie. Wir haben sie vor eineinhalb Jahren eröffnet. Das war etwas Besonderes für mich. Ich wollte mich zwar um die Elite im Basketball kümmern, aber auch um all die Kinder, die es nicht ins Profilager schaffen werden. Denn ich weiß, dass 95 Prozent dieser Kinder keine Profis werden. Deshalb lautet das Motto der Akademie: „Komm zur Akademie und finde einen Job“. Das nehme ich sehr ernst. Für mich ist es sehr wichtig, dass diese Kinder es im Leben schaffen, dass sie eine Arbeit finden, dass sie einfach glücklich sind.

Parker ist Mehrheitseigentümer von ASVEL Basket in Lyon. Die Basketballabteilung des Multisportvereins ASVEL spielt in der höchsten französischen Liga Pro A. Auch für Fußball hat Parker eine Leidenschaft: 2023 soll er Präsident von Olympique Lyonnais werden.

Euronews:

Die Coronakrise ist eine große Herausforderung. Wie gehen Sie damit an der Akademie um? Hat Sie den Alltag verändert?

Tony Parker:

Wir durchleben harte Zeiten. Wir erleben eine der größten Krisen aller Zeiten. Es ist verdammt schwierig, alle Projekte am Laufen zu halten. Aber man muss kreativ sein, man muss positiv denken und versuchen, Lösungen zu finden. Aber klar, wir leben im Moment in einer schwierigen Zeit. Aber letztendlich macht es dich mental und deinen Charakter nur stärker.

Euronews:

Ein weiteres Kapitel in Ihrem Leben: Sie sind in der „Netflix Hall of Fame“ mit einer spannenden Dokumentation über Ihre Karriere: „Tony Parker, the final shot„. Wie ist es, sein Leben in einem Film zu sehen? Wie kam es zu der Dokumentation?

Tony Parker:

Es ist eine große Ehre. Als Netflix mit der Idee an mich herantrat, den Film zu machen, konnte ich es kaum glauben. Ich war gerade dabei, mich von meiner Firma „Infinity Nine Media“ bei meinem letzten aktiven Jahr von der Kamera begleiten zu lassen und Aufnahmen zu machen. Und ganz am Anfang des Projekts kam Netflix auf mich zu und schlug mir vor, diesen Film über mich zu machen. Das war eine Ehre für mich.

Euronews:

_Wo fühlen Sie sich zu Hause? _

Tony Parker:

Ich sage immer, dass ich zwei Zuhause habe. Ich lebe sozusagen 50/50: halb in den USA, halb in Frankreich. Und ich liebe beide Länder. Aber ich erzähle immer, dass ich zwei Zuhause habe, ich fühle mich in beiden Ländern zu Hause.

Euronews:

Sie sind also auch in San Antonio zu Hause (die Stadt liegt in Texas, einem US-Staat, der traditionell von den Republikanern dominiert wird). Sie haben sicher die US-Präsidentschaftswahlen verfolgt. Der Übergang von Donald Trump zu Joe Biden war nicht einfach. Was halten Sie davon?

Tony Parker:

Ich bin sehr glücklich darüber, wie es weitergeht. Es ist ein neues Kapitel und ich bin sehr zufrieden damit, wie die Wahl ausgegangen ist. Vor uns liegt eine bessere Zukunft.

Euronews:

Was ist heute Ihr größter Traum?

Tony Parker:

Mein größter Traum? Jetzt, wo ich älter werde, ist mein größter Wunsch, gesund zu bleiben, dass meine Familie, meine Kinder gesund bleiben. Gerade in der Welt, in der wir jetzt leben, ist es das Wichtigste, allen Menschen Gesundheit zu wünschen.

Euronews:

Was würden Sie jungen Menschen raten, die Ihren Weg einschlagen wollen?

Tony Parker:

Mein Ratschlag wäre, immer positiv zu sein und an seinen Traum zu glauben. Man muss große Träume haben. Wenn man jemandem seinen Traum erzählt und er dich nicht für verrückt hält, dann ist dein Traum nicht groß genug.

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